Antisemitismus und Israel
Aufgeblättert: »Linker Antisemitismus« von Gerhard Hanloser
Von Jens Renner
Gerhard Hanloser nennt sein Buch »Linker Antisemitismus« (mit Anführungszeichen im Original) einen Beitrag »Zur Kritik eines Kampfbegriffs«, so der Untertitel. Wie dieser Kampfbegriff gegen Linke eingesetzt wird, zeigt er an etlichen Beispielen. Dazu gehören die repressiven Maßnahmen gegen die palästina-solidarische US-Campusbewegung, hierzulande die Abwehr postkolonialer Kritik oder die von der Bundestagsmehrheit verfügte pauschale Verurteilung der BDS-Bewegung. Irritierend ist, dass Hanloser auch »israelbezogener Antisemitismus« fast durchgehend in Anführungszeichen setzt – im Gegensatz etwa zu Klaus Holz und Thomas Haury, die in ihrem Buch »Antisemitismus gegen Israel« diese auch in der Linken anzutreffende Variante des Antisemitismus analysieren. (ak 680)
An einer Stelle verzichtet Hanloser auf die Anführungszeichen und schreibt: »Man könnte schlicht und einfach formulieren: Israelbezogener Antisemitismus liegt immer dann vor, wenn Jüdinnen und Juden für Taten Israels zur Verantwortung gezogen werden. Wer Juden und den Staat Israel in eins setzt, ist Antisemit.« Das ist wohl richtig, als Definition aber etwas dürftig. Überzeugender gerät Hanlosers Kritik an Jean Améry und Eva Illouz. Letztere konstruiere ein »Bündnis zwischen Islamismus und dekolonialer Linker«, zusammengehalten durch eine »antiwestliche Matrix« und Hass auf Israel. Das Buch endet mit einer Erinnerung an den 2025 verstorbenen Micha Brumlik, der viele Attacken auf »linke Antisemiten« als »neuen McCarthyismus« bezeichnete.
Gerhard Hanloser: »Linker Antisemitismus«. Zur Kritik eines Kampfbegriffs. Mandelbaum Verlag, Wien 2026. 214 Seiten, 18 EUR.