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Abo| |ak 677 | Alltag |Kolumne: Jawoll, euer Ehren

Adel verpflichtet

Von Moritz Assall

Royal, aber nicht royal genug: Malocherzöglinge und Dienstleister kommen für eine Adelige aus Süddeutschland als Partner nicht in Frage. Foto: derteo.berlin/Flickr, CC BY-ND 2.0

Anfang Juni 1847 befasste sich Friedrich Engels in einem Beitrag für die »Deutsche-Brüsseler-Zeitung« mit dem Untergang des Adels. Es könne, schrieb er, »keinem verständigen Menschen zweifelhaft sein, dass das absolute Königtum in Deutschland (…), auch unter dem Namen ›väterliche Regierung‹ bekannt, trotz allen Sträubens und aller geharnischten Thronreden für immer abgedankt habe«. Engels sah den Sturz des Adels als Muster für kommende gesellschaftliche Veränderungen, nämlich den Klassenkampf. Voller Zuversicht schrieb er, dessen Ausgang könne »nicht zweifelhaft sein«, denn »die Bourgeoisie wird und muss vor dem Proletariat ebenso zu Boden sinken, wie die Aristokratie von der Mittelklasse den Todesstoß erhalten hat«, kurz: »Der Sieg der arbeitenden Klasse macht aller Klassen- und Kastenherrschaft für immer ein Ende.«

Es ist wie es ist: Das hat nicht so ganz hingehauen bislang. Nicht nur die Klassengesellschaft besteht nach wie vor, sogar den Adel gibt es noch – zumindest nach Ansicht vieler Adeliger. In einer jüngeren Entscheidung des Amtsgerichts München wurde über die Klage einer jungen Adeligen aus Baden-Württemberg befunden: Die Adelige hatte sich an eine Partnervermittlung gewandt und einen Partnerschaftsvermittlungsvertrag geschlossen. Sie verpflichtete sich zur Zahlung von 5.000 Euro, dafür wurde ihr zugesichert, im Laufe von drei Monaten mehrere auf ihre Wünsche zugeschnittene »Partner-Exposés« zu präsentieren. Und so kam es dann auch: Sie zahlte und ihr wurden sechs Männer präsentiert, immerhin mit dreien von ihnen kam es zu einem Treffen.

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