Enthoben und geerdet
Kurdische Bürgermeister*innen in der Türkei werden regelmäßig durch Zwangsverwalter ersetzt – was konnten sie trotz dieser Bedingungen erreichen?
Von Hêlîn Dirik
Nach neun Jahren wurde in der kurdischen Stadt Amed (tr. Diyarbakır) im März 2025 die Wiedereröffnung des Solidaritätszentrums Sûr gefeiert, das psychologische und rechtliche Beratung für Frauen anbietet. Es befindet sich im gleichnamigen Altstadtbezirk, bekannt für seine historischen Bauwerke und Stadtmauern, die zum Unesco-Kulturerbe gehören. Sûr steht gleichzeitig wie kaum ein anderer Bezirk symbolisch für die Kriegspolitik der türkischen Regierung in Nordkurdistan in der jüngeren Zeit. Während und nach der monatelangen staatlichen Belagerung und Niederschlagung kurdischer Aufstände ab Ende 2015 wurde ein Großteil der Altstadt von türkischen Sicherheitskräften zerstört. Schätzungsweise 5.000 Familien wurden vertrieben, historische Gebäude enteignet oder abgerissen. In den darauffolgenden Jahren wurden Pläne der AKP-Regierung, Sûr zu gentrifizieren und in eine touristische Attraktion zu verwandeln, fleißig vorangetrieben.
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