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|ak 719 | Lesen |Rezensionen: aufgeblättert

Single Moms

Aufgeblättert: »Single Mom Supper Club« von Jacinta Nandi

Von Alexandra Ivanova

Jacinta Nandis neues Buch ist wie das darin beschriebene Deutschland: eine kaum erträgliche Zumutung. Es strotzt vor Gewalt, es trieft vor Klischees. Deutsche (schlimme) Mütter lieben ihre Kinder nicht genug; sehr junge, kriminelle Mütter sind natürlich »slawisch«. Alle denken heimlich, die anderen hätten abtreiben sollen. Ostdeutsche haben eine komplett gestörte Identität. Mag Geschmackssache sein, ob man Koks in der Milch oder trippende Babys lustig findet, auf der Handlungsebene passiert so gut wie gar nichts. Nur, dass eine der Hauptfiguren eine andere, mit einer erschreckenden Biografie versehene Figur beim Jugendamt verpfeift.

Ja, Nandis bereits erprobter Einsatz von Zuspitzung und Übertreibung überholt in diesem Buch glatt jede Groteske Nikolai Gogols. Trotzdem stellt sich die Frage, ob der Inhalt (alleinerziehende Mütter unterschiedlicher Herkünfte in Berlin) diese Form (leerer Exzess mit zu viel unnötigem Sex plus Drogen) wirklich braucht. Zum Glück sind da die Kinder. Der entscheidende Satz steht nämlich gleich am Anfang: »Die Kinder sind alle super, wer Kinder hasst, ist selbst schuld«, und die Kinderfiguren, vor allem Piper und Lucia, entschädigen in ihrem mit viel Zärtlichkeit geschilderten Eigenwillen für einiges. Vom letzten Halbsatz – »vielleicht kann sie einfach nicht anders?« – her betrachtet kann Nandi vielleicht eben auch nicht anders: Sie braucht die elenden Mütter für die Strahlkraft der Kinder. Mit dieser Klammer der Natalität (Hannah Arendt) steckt also doch ein radikaler Trost in dieser Zumutung.

Jacinta Nandi: Single Mom Supper Club. Rowohlt, Hamburg 2025. 320 Seiten. 24 EUR.