Gute Museumsführung
Von Frédéric Valin
In Brandenburg an der Havel gibt es Dinge, die nicht nur für das Bundesgebiet beispielhaft sein könnten, sondern für die ganze Welt. Hier habe ich etwas erlebt, von dem ich mir wünschen würde, es noch sehr viel häufiger miterleben zu dürfen: Mir wurde eine Museumsführung gegeben.
Das klingt zunächst arg underwhelming, zugegeben, deswegen hier ein bisschen Kontext. In Brandenburg an der Havel befand sich eine der sechs Vernichtungsanstalten der Aktion T4. Hier wurden insbesondere die Armen aus Berlin und Mitteldeutschland getötet. Ich schreibe »die Armen«, das ist etwas verkürzt, aber nicht besonders viel verkürzter als das medizinische Framing, das die Opfer der »Vernichtung lebensunwerten Lebens« normalerweise umschreibt: Armut war (und ist bis zu einem gewissen Grad noch heute) einer der Hauptrisikofaktoren dafür, als »geistig behindert« zu gelten. In Brandenburg an der Havel wurden zwischen Januar und Oktober 1940 9.000 Menschen in einer Gaskammer ermordet, die meisten kamen aus umliegenden psychiatrischen Anstalten.
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