Kettensäge
Aufgeblättert: »Freiheit für wen?« von Frederic Schnatterer
Von Robert Samstag
Mit seiner Kettensäge, die symbolisch für eine harsche Kürzungspolitik stand, gelangte Javier Milei im Jahr 2023 zu globaler Berühmtheit. Schon bald wurde er zu einer der Glanzfiguren der internationalen Rechten und wird von autoritären Technomagnaten wie Peter Thiel als Beispiel einer marktradikalen Regierungspraxis studiert, die den Staat abbaut und dem Kapital freie Verfügungsgewalt zuschreibt. Wie konnte ein exzentrischer Ökonom mit einem ultrarechten Programm zum argentinischen Präsidenten gewählt werden, das fest verwurzelte soziale Errungenschaften im Namen der »Freiheit« aufkündigt? Frederic Schnatterer widmet sich dieser und anderen Fragen in seinem kürzlich erschienenen Buch. Die Auswirkungen der Sparmaßnahmen auf die krisengeplagte Gesellschaft werden mit Expert*innengesprächen, sowie Besuchen in Armenvierteln und Suppenküchen beschrieben. Dabei wird deutlich, dass die arbeitende und arme Bevölkerung besonders unter den profunden Transformationen zu leiden hat, während multinationale Konzerne und lokale Investoren vom Rückzug des Staates und gestrichenen Arbeiter*innenrechten profitieren. Das Buch begleitet auch den Widerstand von Rentner*innen und Arbeiter*innen gegen die neoliberale Schocktherapie und den ultrarechten Kulturkampf, die sich dem autoritären Staatsumbau und der zunehmenden Repression entgegenstellen. Schnatterers Buch bietet einen fundierten Einblick in das Argentinien Mileis und ist ein lesenswerter Beitrag zum Verständnis der globalen Rechten.
Frederic Schnatterer: Freiheit für wen? Mileis Argentinien als Versuchslabor der Ultrarechten. Papyrosa, Köln 2026. 190 Seiten, 16,90 EUR.