Progressive Kämpfe
Aufgeblättert: »Sozialismus von unten?« herausgegeben von Klaus Dörre, Anna Mehlis, Stephan Humbert und Bruno Saar
Von Jakob Heyer
Die Autor*innen des Sammelbandes »Sozialismus von unten?« wollen sich nicht auf eine distanzierte Zeitdiagnose beschränken. Im Sinne der öffentlichen Soziologie suchen sie den Austausch mit außerakademischen Akteur*innen und versuchen, zur politischen Selbstverständigung sozialer Bewegungen beizutragen. Der Band untersucht auf Grundlage der Thesen des Soziologen Erik Olin Wright, wie sozialistische Handlungsfähigkeit heute in konkreten Kämpfen und Organisationsformen angelegt ist – ohne dass explizit auf »Sozialismus« Bezug genommen wird.
Untersucht werden Mieter*innenbewegungen, gewerkschaftliche Kämpfe, Allianzen zwischen Klima- und Arbeiter*innenbewegung sowie Parteien und solidarökonomische Initiativen. Wrights Konzept folgend, wird sozialistische Praxis im Spannungsfeld von ökonomischer, staatlicher und gesellschaftlicher Macht verortet, wobei insbesondere der Zivilgesellschaft eine wichtige Rolle bei der Demokratisierung von Eigentum, Produktion und Verteilung zukommt – als Teil einer graduellen, konflikthaften Transformationsbewegung »von unten«. Der Band überzeugt durch wissenschaftlich fundierte und zugleich engagierte empirische Sozialforschung, die sozialistische Praxis in ihrer konkreten, vielschichtigen Ausprägung erfasst. Er leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Selbstverständigung und Weiterentwicklung emanzipatorischer Politik im 21. Jahrhundert.
Dörre, Klaus/Mehlis, Anna/Humbert, Stephan/Saar, Bruno (Hrsg.): Sozialismus von unten? Emanzipatorische Ansätze für das 21. Jahrhundert. VSA Verlag, Hamburg 2025. 280 Seiten, 19,80 EUR.