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|ak 728 | Lesen |Rezensionen: aufgeblättert

Geschäft mit dem Rausch

Aufgeblättert: »Drogen und Kapital« von Stefan A. Marx

Von Gabriel Kuhn

Drogen waren der Schwerpunkt der ak-Ausgabe im Mai. Das im Wiener Mandelbaum-Verlag neu erschienene Buch »Drogen und Kapital« von Stefan A. Marx scheint dazu, wie die Faust aufs Auge zu passen. Wobei: Hinter einem solchen Titel kann sich alles Mögliche verbergen. Die ersten drei Kapitel des Buches schaffen wenig Klarheit. Sie sollen, so scheint es, den analytischen Rahmen für eine »Kritik der politischen Ökonomie des Drogenhandels« schaffen, doch der Autor holt dabei sehr weit aus. Salopp formuliert: Man wartet auf die Drogen. Ab Seite 131 und dem Kapitel »Drogenkonsum unter dem Kapitalverhältnis« wird alles anders. Nun geht es ans Eingemachte: Von den Opiumkriegen des 19. Jahrhunderts bis zur Opioidkrise der Gegenwart werden Produktion, Distribution und Konsumtion illegaler Drogen beleuchtet. Marx moralisiert nicht, sondern fokussiert auf die gesellschaftlichen Bedingungen. Produktionsverhältnisse werden genauso unter die Lupe genommen wie Wertschöpfungsketten und ein Handel, der sich oft mit legalen Strukturen überlappt und politische Heuchelei offenlegt. Auch die Pharmaindustrie bekommt ihr Fett weg. Am Ende plädiert Marx für einen »humanen Umgang mit der Sucht in den Ländern des privilegierten Konsums«, wobei er eingesteht, dass damit »die Probleme der Produktion und des unterprivilegierten Konsums an der Peripherie« nicht gelöst werden können. Manchmal ein wenig trocken, ist »Drogen und Kapital« ein aufschlussreiches Buch für am Thema Interessierte.

Stefan A. Marx: Drogen und Kapital. Mandelbaum, Wien 2026. 304 Seiten, 28 Euro.