Frühe RAF
Aufgeblättert: »Der Kern ist unzerstörbar« von Monika Berberich und Colectivo Preguntando
Von Florian Osuch
Das Buch »Der Kern ist unzerstörbar« ist eine besondere Aufarbeitung der Geschichte der Roten Armee Fraktion (RAF). Mehrere junge Leute haben mit Monika Berberich, einer Mitbegründerin der RAF, ein Langzeitinterview geführt. Das 400-seitige Buch ist Ergebnis mehrerer Sitzungen und gibt an vielen Stellen sehr persönliche Einblicke. Grund: Die Interviewenden kannten »Moni« seit ihrer Kindheit als »Ersatzoma«.
Ende der 1960er Jahre war Berberich in West-Berlin in der Kanzlei des damaligen Rechtsanwalts Horst Mahler tätig, der später nach Rechtsaußen driftete. Sie besuchte Gefangene wie Fritz Teufel, der wegen eines »Pudding-Attentats« vor Gericht stand. Berberich kontextualisiert die Weltlage jener Zeit: »An allen Ecken und Enden existierten Befreiungsbewegungen.« Die Mitglieder ihrer Gruppe, die sich erst später RAF nannte, verstanden sich als »Partisanen im Rücken des Feindes«. Sie war im Mai 1970 an der Befreiung Andreas Baaders beteiligt und wurde schon im Oktober des selben Jahres festgenommen. Insgesamt war Berberich fast 18 Jahre inhaftiert, sodass sie die Hochphase der RAF um das Jahr 1977 aus dem Gefängnis erlebte.
Obgleich das Buch stellenweise etwas schleppend zu lesen ist, schildert Berberich interessante Details der inneren Verhältnisse der frühen RAF, wie etwa die Dominanz von Frauen in der Gruppe oder die Interaktion zwischen »Legalen« und »Illegalen«. Umfangreich wird auch das Thema Haft, Isolation und Alltag im Knast behandelt.
Monika Berberich/Colectivo Preguntando: Der Kern ist unzerstörbar. Versuch einer Annäherung. Gespräche mit Monika Berberich. Verlag Immergrün, Berlin 2025. 400 Seiten, 18 EUR.