Keine Angst vorm Kollaps
Utopie war gestern – welche Fragen stellen sich jetzt für die Linke?
Von Annette Schlemm
Seit langem wird mit guten Gründen vermutet, dass der real existierende Kapitalismus die ökologischen Zerstörungen und auch den Klima-Umbruch nicht aufhalten kann, sondern weiter verschärft. Ein Ende des Kapitalismus ist aber nicht in Sicht. Nimmt man diese beiden Tatsachen zusammen, ist es kein Wunder, dass wir früher oder später – und inzwischen eigentlich unmittelbar – vor dem Abgrund stehen: einem höchstwahrscheinlichen ökologischen und gesellschaftlichen Kollaps, der sich bereits in vielen Katastrophen ankündigt. Ich schreibe dies in einem Sommer, in dem weite Teile Europas unter extremer Hitze leiden und der bereits Tausende Todesopfer gefordert hat. In Spanien, Frankreich und Griechenland wüten riesige Waldbrände, Zehntausende Menschen müssen ihre Häuser verlassen. Atomkraftwerke drosseln oder unterbrechen ihre Leistung, weil Flüsse zu warm werden und nicht mehr genügend Kühlwasser liefern. Senior*innenenheime werden evakuiert, die Kühlräume in den Krankenhäusern geraten wegen der Hitzetoten an ihre Grenzen.
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