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|ak 728 | Lesen |Rezensionen: aufgeblättert

Althussers Femizid

Aufgeblättert: »Althussers Femizid« von Francis Dupuis-Déri

Von Sebastian Klauke

Louis Althusser war und ist ein wichtiger Referenzpunkt in der Diskussion zur marxistischen Staatstheorie bei der Auseinandersetzung rund um Karl Marx und als Intellektueller war er enorm einflussreich. Dass er seine Ehefrau umgebracht hat, ist bekannt. Wer diese Frau allerdings war, wie es um ihre Beziehung stand, wie Althusser seine Tat selbst einordnete, welche Umstände und Berichterstattung diese insbesondere in Frankreich nach sich zog? Bislang konnte man darüber nur spärlich etwas lesen. Vielfach wurde es auch schlicht nicht näher betrachtet oder es blieb gänzlich unerwähnt. Der vorliegende Band schließt diese Lücke, Hélène Rytmann erfährt Gerechtigkeit, sie wird als eigenständige Persönlichkeit greifbar. Francis Dupuis-Déri ordnet den Mord als Femizid ein, und auf jeder Seite spürt man seinen Zorn darüber, wie mit der Tat umgegangen wurde und der Täter fast schon in Schutz genommen worden ist. Dass Feminist*innen dies alles durchaus skandalisierten und gegen die Stille, Apologien und den Geniekult anschrieben, wurde auch wieder vergessen – wobei gleichzeitig feministische Bezugnahmen auf Althusser benannt werden, die diese Dinge wiederum selbst nicht erwähnen. Für sich selbst zieht Dupuis-Déri die Konsequenz, sich überhaupt nicht mehr mit Althusser als Denker zu beschäftigen – die immer wiederkehrende Frage nach der Trennung von Werk und Autor wird von ihm nicht systematisch verfolgt, was einen etwas verloren zurücklässt. Eine eindringliche, sehr empfehlenswerte Lektüre.

Francis Dupuis-Déri: Althussers Femizid. Aus dem Französischen von Teresa Awa. Passagen Verlag, Wien 2026. 94 Seiten, 15 EUR.