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Verein fuer politische Bildung, Analyse und Kritik e.V.

ak logo ak - analyse & kritik - zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 645 / 15.1.2019

Wir trauern um unseren Genossen Cici

Am 15. Dezember starb unser Genosse Peter Grzybowski, besser bekannt als Cici (Tschitschi). Mit 74 Jahren war er das älteste Mitglied des ak-Kollektivs. Nach seiner Lehre als Schriftsetzer - noch in der Bleisatzära - arbeitete er in verschiedenen kleineren Betrieben, ab 1966 dann beim Axel-Springer-Verlag in Hamburg. Der Kontakt mit politisch aktiven Arbeitskolleg_innen trug wesentlich zu seiner eigenen Politisierung bei. Anfang der 1970er Jahre trat er in die DKP ein. Cici war aktiver Gewerkschafter in der IG Druck und Papier, dann der IG Medien und viele Jahre auch Betriebsrat. Besonderen Stellenwert hatte dabei der Kampf gegen Arbeitsplatzabbau. Nicht im Rampenlicht, sondern eher hinter den Kulissen sorgte er dafür, dass Betriebsversammlungen lebhaft und für die Geschäftsleitung unangenehm verliefen - etwa indem er die Kolleg_innen mit Pappen ausstattete, die mit Forderungen und Slogans beschriftet waren.

2001 ließ er dann die Lohnarbeit hinter sich. Einen nicht unerheblichen Teil der gewonnenen Zeit widmete er der unbezahlten Arbeit im ak-Projekt. Als gelernter Schriftsetzer hat Cici viele Jahre das Erscheinungsbild von ak mitgeprägt. Das zur Jahrtausendwende (ak 434, Januar 2000) neu eingeführte Layout geht zu großen Teilen auf seine Ideen und Expertise zurück. Bis zum ak-Relaunch im November 2011 gestaltete er bei fast jeder Ausgabe etliche Seiten der Zeitung: per Klebe-Layout mit dem legendären »Wachser« - einer altertümlichen Maschine, die schon damals ins Museum der Arbeit gehört hätte. Auch an internen Diskussionen über unser Zeitungskonzept, Zielgruppen und die Veränderung von Arbeitsprozessen hat Cici sich aktiv beteiligt. In den dabei unvermeidlichen Konflikten vertrat er seinen Standpunkt, wirkte aber zugleich auf Lösungen hin, mit denen alle leben konnten.

Nicht immer war er glücklich mit unserer Zeitung. Akademische und sonstwie verschwurbelte Texte mied er, Artikel mit Praxisbezug und klarer Sprache lobte er. Cici war ein Vielleser - und begeisterter Hörer guter Musik. Er liebte Rio Reiser und Ton Steine Scherben - vor allem aber klassische Musik, von der er mehr verstand als die allermeisten ak-Genoss_innen. Von Konzertbesuchen und seinen neuesten Lektüren konnte Cici fesselnd erzählen; überhaupt war er ein angenehmer Gesprächspartner mit einem feinen Gespür für Stimmungen. ak-Redakteur_innen, die nicht in Hamburg leben, kennen ihn auch als warmherzigen Gastgeber. Während der Produktionswoche in Hamburg übernachten seit Jahren Redaktionsmitglieder in einer kleinen Dachgeschosswohnung, die Cici und seine Lebensgefährtin Inge, seit den 1970er Jahren für ak aktiv, gemietet hatten.

Im Sommer 2012 wurde bei ihm erstmals Krebs diagnostiziert. Mehr als sechs Jahre hat er gegen die Krankheit gekämpft, sich Ziele gesetzt und auch erreicht. So schaffte er es, noch etliche Reisen zu machen, Konzerte zu besuchen und Feste zu feiern. Trotz Rückschlägen und zunehmender körperlicher Schwäche hat er sich nie beklagt und bis zuletzt den Lebensmut nicht verloren. Davon können wir alle lernen. Wir werden Cici vermissen, seine innere Ruhe, seinen Humor, seinen Optimismus.

ak-Redaktion