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Mehr als nur »Gastarbeiterliteratur«

Migrationserfahrungen und Mehrsprachigkeit gelten als Merkmal avancierter Literatur, künstlerische Produktionen von MigrantInnen werden als »kulturelle Bereicherung« gefeiert. Deren Anfänge in den 1960er, 70er und 80er Jahren sind demgegenüber weitgehend unbekannt. Häufig als »ArbeiterInnen auf Zeit« nach Deutschland gekommen, hat die »erste Generation« ihre Erfahrungen künstlerisch vielfältig verarbeitet, insbesondere in der Literatur. Unter der ironischen Bezeichnung »Gastarbeiterliteratur« wurden die Arbeits- und Lebensbedingungen sowie Stigmatisierungen und Ausgrenzungen dieser Generation scharf kritisiert. Das Projekt »Dein Land ist mein Land« nimmt den Alltag und die vielfältigen kulturellen und politischen Aktivitäten der »Generation Gastarbeiter« in den Blick. Das Filmprogramm präsentiert vielfach noch unbekannte, thematisch wie künstlerisch herausragende Produktionen von und über MigrantInnen aus dieser Zeit. Die begleitende Ausstellung vermittelt die vorwiegend lokale Atmosphäre, in der die Zuwanderergeneration in den 1970er und 80er Jahren lebte. Ausführliches Programm unter ww.literaturbuero-freiburg.de.

-> Freiburg, bis 28.1.12, Kommunales Kino, Urachstr. 40

Wider Ungleichmacherei und Antikommunismus

Einerseits wächst der Reichtum, andererseits die Armut - als wäre das ein Naturgesetz. Das Kapital ruiniert ganze Volkswirtschaften, beraubt Menschen ihrer sozialen Errungenschaften - mit Kreditauflagen, Sanktionen oder Krieg, dem lukrativsten Geschäft. Millionen Menschen verhungern, während Konzerne natürliche Ressourcen verschwenden, vergiften, vernichten. Demokratie kann unter diesen Umständen schwerlich gedeihen, erst recht nicht unter dem Druck politisch gewollter Massenarbeitslosigkeit und zunehmender staatlicher Repression. Dennoch regt sich weltweit Widerstand gegen die kapitalistische Ungleichmacherei. Symposium von Ossietzky-Verlag, Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen und ver.di.

-> Hannover, 18.12.11,11-18 Uhr, Raschplatz-Pavillon, Lister Meile 4

Mittendrin statt nur im Untergrund

Seit Bekanntwerden der Neonazi-Mordserie wird über Versäumnisse der Polizei und des Verfassungsschutzes, über einen erneuten NPD-Verbotsantrag, aber auch über den Umgang mit den Opfern diskutiert. Der Soziologe Andreas Klärner kennt lokale rechte Eliten, »BasisaktivistInnen« und deren gewalttätiges Umfeld aus nächster Nähe. Er präsentiert sein Buch »Rechtsextremismus im Untergrund - und trotzdem mittendrin?« und wird vor allem diskutieren, wie Politik und Gesellschaft auf deren Strategien reagieren sollen.

-> Hamburg, 19.12.11, 20 Uhr, Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36

Gewalt im Blick

Daniel Richter will mit seiner Kunst daran erinnern, dass es eine Welt gibt, die fremd und bedrohlich ist: die eigene nämlich - sagte er einmal in einem Interview. So stellt Richter in seinem Gemälde »Dog Planet« von 2002 das Moment des Übermächtigen und Gewaltvollen staatlicher Realität in einer Art und Weise dar, welche die betrachtende Person in Widersprüche verwickelt.Ausgehend von der ästhetischen Erfahrung mit »Dog Planet« wird Juliane Hummitzsch in ihrem Vortrag eine Lesart des Kunstwerks entwickeln, welche unter Rekurs auf Walter Benjamins Überlegungen zum Verhältnis von Staats- und Naturrecht in den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen eine Kritik der Gewalt entfaltet.

-> Bremen, 20.12.11, 19 Uhr, Villa Ichon, Goetheplatz 4

Wenn schon Arbeit, dann wenigstens Klasse

Von den Neuen Sozialen Bewegungen über die wertkritisch geschulte Linke bis zum Punkrock ist man sich einig in der Ablehnung eines positiven Bezugs auf die Arbeiterklasse. Gegen diese Selbstverständlichkeit soll die Veranstaltung einen identitätsbewussten Umgang zur Arbeit zur Diskussion stellen. Denn - so eine These - der individuelle Wille zur Abgrenzung unterstützt eher den mittlerweile verallgemeinerten Zwang, die eigene Arbeitskraft zu Markte tragen zu müssen, als dass er Perspektiven zu einer kollektiven Auflehnung gegen die Arbeitsgesellschaft bietet. Infos unter veto.blogsport.de.

-> Erfurt, 20.12.11, 20.30 Uhr, veto, Trommsdorffstr. 5

Datenschutz, Überwachung, Verschlüsselung

Technisch basierte Kommunikation nimmt in der heutigen Zeit einen enormen Stellenwert ein: Internetnutzung, Handy, Chat, SMS, E-Mail, Web 2.0.. Gerade weil die Kommunikation oft nicht greifbar abläuft, ergeben sich viele Möglichkeiten der Überwachung und Kontrolle. Die Veranstaltung »Es hat keinen zu interessieren, dass du nichts zu verbergen hast!«, organisiert von der Roten Hilfe e.V., will einen Einblick in die Themen Datenschutz, Überwachung, Internetnutzung und Verschlüsselung geben und vor allem die Gefahr des Datensammelwahns der heutigen Zeit für unsere Privatsphäre erörtern.

-> Greifswald, 20.12.11, 20.30 Uhr, IkuWo, Goethestr. 1

Soliparty statt Weihnachtslangeweile

Achtung! Achtung! Kein Gelaber! Konkrete Intervention! Das hauseigene Format »Regret« wird in den Kontext der traditionellen Solidaritätsclubnacht gestellt. Für und mit dem Netzwerk Europe-Afrique-Interact, dem Büro für medizinische Flüchtlingshilfe und zur Unterstützung der antirassistischen Große-Liebe-Praxis - für ein schöneres Morgen... Mit Chica Paula, Hubertus Schacht, Hypnorex, IAAC, Silva Rymd.

-> Berlin, 24.12.11, 23.59 Uhr, about blank, Marktgrafendamm 24c

Ethik der Utopie

»Etwas fehlt«, so der Titel des Berliner Jour-Fixe-Pogramms »Utopie, Kritik und Glücksversprechen« Neue Folge 2012. Den Auftakt der Vortragsreihe macht Klaus Holz. Er wirft zur Eröffnung der Reihe einen Blick auf Marx, Marcuse, Bloch und Adorno, benennt utopische Ziele und reflektiert Widersprüche, die den Weg zum guten Leben verstellen. Ein Plädoyer für eine Politik, die antihumanistischer Kritik und humanistischer Ethik verpflichtet ist. Das mag man Posthumanismus nennen.

-> Berlin, 8.1.12, 18 Uhr, NGBK, Oranienstr. 25

Ökologisch-sozialer Umbau im globalen Süden

Die linke Diskussion im Norden zum Thema Umwelt und Nachhaltigkeit beachtet zu wenig die spezifischen Probleme, die in den Ländern des Südens zu meistern sind. Wichtig ist dabei insbesondere die Frage, wie das absehbare Wirtschaftswachstum zu einem frühen Zeitpunkt in soziale und ökologische Bahnen gelenkt werden kann und welche Verantwortung die Industriestaaten dabei haben. Gleichzeitig sind die ökonomischen Entwicklungsbedürfnisse des Südens zu differenzieren. Denn die ärmsten Länder der Welt stehen vor anderen Herausforderungen als etwa China, Indien oder Brasilien. Der Umbau im globalen Süden hat im Zusammenhang mit Rio+20, dem Weltgipfel, der 2012 in Brasilien stattfindet, besondere Aktualität. Vortrag und Diskussion mit Jörg Goldberg und Tadzio Müller, Moderation: Klaus Steinitz.

-> Berlin, 9.1.12, 19 Uhr, Helle Panke, Kopenhagener Str. 9

Simone de Beauvoir neu gelesen

Freiheit, Menschenrechte, Emanzipation - das waren die großen Themen im Leben der berühmten französischen Intellektuellen Simone de Beauvoir (1908-1986). Angesichts der wachsenden Probleme der Globalisierung und einer Verschärfung des sozialen Klimas sind ihre Überlegungen zu Geschlechterverhältnissen, Moral und Politik aktuell wie eh und je. Lektürekurs mit Dr. Florence Hervé, Autorin u.a. von »absolute Simone de Beauvoir« (orange press 2003). Weitere Termine: 7.2.2012 + 3.4.2012. Neu-EinsteigerInnen sind jederzeit willkommen, bitte anmelden bei post@rls-nrw.de.

-> Düsseldorf, 10.1.12, 17-19 Uhr, ZAKK, Fichtenstr. 40

Sozialpsychologie des Nationalsozialismus

Was machte die Idee der Volksgemeinschaft und den Antisemitismus für die Menschen im Nationalsozialismus so attraktiv? Wie wurden sie zu TäterInnen? Wie wirken sich NS-Gefühlserbschaften noch in den nachfolgenden Generationen aus? Das Buch »Volksgemeinschaft, Täterschaft, Antisemitismus. Beiträge zur psychoanalytischen Sozialpsychologie des Nationalsozialismus und seiner Nachwirkungen« geht den gesellschaftlichen Nachwirkungen der NS-Zeit aus einer einer psychoanalytisch-sozialpsychologischen und geschlechtertheoretischen Perspektive nach. Buchvorstellung und Diskussion mit Isabelle Hannemann, Prof. Rolf Pohl und Sebastian Winter, veranstaltet von der Rosa-Luxemburg-Initiative.

-> Bremen, 11.1.12, 20 Uhr, Infoladen, St. Pauli-Str. 10-12

Naziaufmarsch in Magdeburg verhindern!

Am 14. Januar 2012 wollen sich wieder hunderte Nazis in Magdeburg versammeln, um ihre Legende der "alliierten Kriegsverbrechen gegen unschuldige deutsche Opfer" zu verbreiten. Grund ist der 67. Jahrestag der Bombardierung Magdeburgs am 16. Januar 1945 durch die Alliierten. Der alljährlich als Trauermarsch inszenierte Nazi-Event in Magdeburg hat sich zu einem der bedeutendsten deutschen Naziaufmärsche entwickelt. Im Gegenzug hat der antifaschistische Widerstand gegen die Aufmärsche seit seinem Bestehen mit Schikanen und Kriminalisierung zu kämpfen. Um diesen Zuständen ein Ende zu bereiten, kann es für uns nur heißen, den Naziaufmarsch komplett zu verhindern, die Ursachen des Geschichtsrevisionismus zu erkennen und ihn entschieden zu bekämpfen. Infos zur bundesweiten Demonstration: entschlossen-handeln.tk.

-> Magdeburg, 14.1.12, 10 Uhr, Hauptbahnhof

Eine Reise ohne Zurück

Zwei Mal wegen Mitgliedschaft in der RAF zu insgesamt mehr als sieben Jahren Gefängnis verurteilt, entscheidet sich Margrit Schiller 1985, die alte Bundesrepublik zu verlassen und nach Kuba ins Exil zu gehen, um einer erneuten Verhaftung und der drohenden Sicherheitsverwahrung zu entgehen. Acht Jahre später emigriert sie nach Uruguay, ein Land, in dem von 1973 bis 1985 eine Militärdiktatur herrschte, aber auch die Stadtguerilla Tupamaros aktiv war, die heute die Regierung des Landes stellt. Ihr Buch »So siehst du gar nicht aus!« ist ein ehrliches und selbstreflexives Zeugnis, das grundlegende Exilerfahrungen thematisiert, und nimmt uns mit auf eine Reise, auf der es mehr als 15 Jahre kein Zurück gab. Lesung, veranstaltet von Informationsstelle Lateinamerika Bonn (ila), Rote Hilfe Ortsgruppe Bonn, Verein zur Förderung politischer Bildung & Kultur e.V.

-> Bonn, 19.1.12, 20 Uhr, Buchladen Le Sabot, Breite Str. 76

Grenzregimes in Bewegung?!

Nach dem Sturz totalitärer Regime in Nordafrika hatte die EU ihre alten Partner in der Flüchtlingsabwehr verloren. Auf einmal musste sie den Krieg gegen Flüchtlinge im Mittelmeer wieder verstärkt selbst führen, der zuvor so erfolgreich an die Despoten Nordafrikas delegiert worden war. Die Reaktion auf die Krise war eindeutig: Mit Hilfe der Grenzschutzagentur Frontex wurde und wird versucht, die Grenzen wieder dicht zu machen. Bleibt also alles beim Alten oder eröffnet sich durch den arabischen Frühling auch eine neue Perspektive auf die Grenzregimes im Mittelmeerraum? Welche Rollen kommen den nordafrikanischen Staaten als Fluchttransitländern zu? Welche transnationalen Widerstandsperspektiven eröffnen sich aus einem antirassistischen Blickwinkel? Vortrag und Diskussion mit Bernhard Schmid, Autor und Jurist aus Paris.

-> Bremen, 20.1.12, 19.30 Uhr, Villa Ichon, Goetheplatz 4